Wie ein Aachener Energieexperiment Deutschlands Ökostrom-Revolution auslöste
Jonas WagnerWie ein Aachener Energieexperiment Deutschlands Ökostrom-Revolution auslöste
Ein kleines Energieexperiment in Aachen vor drei Jahrzehnten legte den Grundstein für Deutschlands Erneuerbare-Energien-Revolution. Das Aachener Modell, das 1992 vom Stadtrat beschlossen wurde, führte eine radikale Idee ein: faire Preise für Solar- und Windstrom, der ins Netz eingespeist wird. Dieser lokale Versuch entwickelte sich schließlich zum Vorbild für ein nationales Gesetz, das das Energiesystem des Landes grundlegend veränderte.
Die Geschichte begann mit dem Solarförderverein Deutschland (SFV), der sich für die öffentliche Förderung erneuerbarer Energien einsetzte. Anfang der 1990er-Jahre richtete die Vereinigung stationäre Solaranlagen ein, um zu zeigen, wie damit Strom erzeugt werden kann. Ihr Ziel war einfach: die Menschen davon zu überzeugen, dass saubere Energie funktionieren kann.
Wolf von Fabeck, damals geschäftsführender Vorstand des SFV, setzte sich für einen zentralen Vorschlag ein – eine feste, kostendeckende Vergütung für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde Ökostrom. Am 30. September 1992 unterstützte der Aachener Stadtrat den Plan und erlaubte die Einspeisung von bis zu 1.000 Kilowatt Photovoltaik- und Windkraftleistung. Doch der Widerstand ließ nicht lange auf sich warten. Der lokale Energieversorger Stawag sowie Landes- und Bundesbehörden lehnten die Idee ab.
Trotz der Gegenwehr wurde im Juni 1995 in Aachen der erste Vertrag für diese Einspeisevergütung unterzeichnet. Bis Ende 1999 hatte die Stadt rund 125 kleine Solaranlagen auf Dächern mit einer Gesamtleistung von etwa 650 Kilowatt gefördert. Der Erfolg dieses lokalen Modells erregte Aufmerksamkeit.
Das Aachener Modell wurde zur Grundlage für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Nach Tests und Überarbeitungen trat das Gesetz im Jahr 2000 bundesweit in Kraft und wurde 2004 novelliert. Es garantierte Vergütungen für erneuerbare Energien und machte Deutschland zum Vorreiter in der Ökostrom-Erzeugung.
Am 1. April 2023 jährte sich das EEG zum 25. Mal. Was als lokaler Versuch in Aachen begann, wuchs zu einer Politik heran, die die deutsche Energielandschaft veränderte. Heute lebt das Erbe des Gesetzes in der flächendeckenden Nutzung von Solar-, Wind- und anderen erneuerbaren Energien im Land weiter.






