22 March 2026, 10:02

Riesige Seen statt Braunkohle: Wie Rheinwasser die Tagebaue bei Köln flutet

Ein detailliertes altes Kartenbild des Rheins in Deutschland, das Flüsse, Städte und geografische Merkmale zeigt, mit Text oben und unten auf dem Papier.

Riesige Seen statt Braunkohle: Wie Rheinwasser die Tagebaue bei Köln flutet

Ein 45 Kilometer langer Pipeline soll bald Rheinwasser in ehemalige Braunkohletagebaue bei Köln leiten und sie in riesige Seen verwandeln. Das von dem Energiekonzern RWE geleitete Projekt sieht vor, die Gruben Hambach, Garzweiler und Inden im kommenden Jahrzehnt zu fluten. Doch es gibt weiterhin Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität, der Genehmigungen und der langfristigen Auswirkungen auf die regionalen Wasservorräte.

Kritiker werfen dem Vorhaben mangelnde Transparenz vor, während Microsofts neues Rechenzentrum in der Region den Druck auf die ohnehin schon knappen Wasserressourcen weiter erhöht.

Die erste Phase beginnt 2030, wenn Rheinwasser damit beginnt, den Tagebau Hambach zu füllen. Garzweiler folgt 2036, Inden soll im selben Jahr geflutet werden. Eine gewaltige Pipeline – mit Abschnitten von bis zu 2,2 Metern Durchmesser – wird sich über 45 Kilometer erstrecken, um das Wasser heranzuführen.

Die Flutung der Gruben wird 40 Jahre dauern, und selbst dann werden die Seen noch Jahrzehnte lang weiteren Rheinwasser-Zufluss benötigen, um stabil zu bleiben. RWE-Vorstandsmitglied Lars Kulik bezeichnet das Projekt als Symbol für "Verlässlichkeit und zukünftige Chancen" und verweist auf Pläne zur Schaffung neuer Seen und zum Schutz von Feuchtgebieten. Doch die Genehmigung zur Einleitung von Wasser in Hambach steht noch aus; die Bezirksregierung Arnsberg will das Zulassungsverfahren im Herbst dieses Jahres einleiten.

Umweltverbände wie der BUND und "Alle Dörfer bleiben" stellen die Sauberkeit des Wassers infrage. Sie warnen vor möglichen Verunreinigungen durch die industrielle Vergangenheit der Tagebaue. Der scharfe Kritiker Andreas Büttgen bezeichnet RWE-Strategie als "Premium-Ansatz", der es dem Konzern ermöglichen könnte, sich bei auftretenden Problemen zurückzuziehen. Er fordert strengere Wasseranalysen, öffentliche Kontrolle und wissenschaftliche Untersuchungen, bevor Umleitungen beginnen.

Unterdessen hat Microsofts neues Hyperscale-Rechenzentrum in der Region zusätzliche Sorgen ausgelöst. Die Anlage wird enorme Mengen Wasser zur Kühlung benötigen und damit die Ängste vor Knappheit verstärken. Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller bleibt dennoch zuversichtlich und prognostiziert, dass der künftige "Elsdorfer See" neue Aufmerksamkeit – und Besucher – in seine Stadt bringen werde.

Die Baugenehmigung für die Pipeline wurde im Januar 2026 erteilt, doch entscheidende Einleitungsgenehmigungen stehen noch aus. Falls das Projekt voranschreitet, könnte das erste Rheinwasser 2030 in Hambach fließen. Der langfristige Erfolg hängt davon ab, industrielle Anforderungen, Umweltrisiken und die regionale Wasserversorgung in Einklang zu bringen.

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