Zwei Theaterstars zwischen Freundschaft und künstlerischen Konflikten in Wien
Jonas WagnerZwei Theaterstars zwischen Freundschaft und künstlerischen Konflikten in Wien
Zwei gefeierte Theaterregisseurinnen, Maria Happel und Paula Nocker, verbindet mehr als nur ihr Beruf. Beide leben derzeit in Wien, wo sich ihre Karrierewege und privaten Leben immer wieder kreuzen. Während Happel am Burgtheater die österreichische Erstaufführung eines Stücks vorbereitet, arbeitet Nocker an einer Koproduktion zwischen dem Volkstheater und den Wiener Festwochen.
Ihre unterschiedlichen Herangehensweisen an Kritik, Aktivismus und sogar die Elternrolle offenbaren eine Mischung aus Freundschaft und gelegentlichen Reibungen.
Maria Happel, eine Regisseurin mit tiefen Wurzeln in Wien, befindet sich in den letzten Proben zu Der heilige Falstaff am Burgtheater. Die Produktion, inspiriert von Shakespeares Heinrich IV., feiert hier ihre österreichische Premiere. Happel, die mehr als die Hälfte ihres Lebens in der Stadt verbracht hat, fühlt sich im Herzen als Wienerin.
Unterdessen probt Paula Nocker Mythen des Alltags, eine Zusammenarbeit zwischen dem Volkstheater und den Wiener Festwochen. Die beiden Frauen, obwohl Nachbarinnen, vertreten unterschiedliche Standpunkte. Ihre Töchter leben sogar in kleinen Wohnungen im selben Stockwerk – eine weitere persönliche Verbindung.
Auch ihre beruflichen Hintergründe unterscheiden sich. Happel, die nur die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, leitete einst das Reinhardt Seminar, verließ die Position jedoch nach Vorwürfen, sie habe sich zu wenig um die Studierenden gekümmert und keine ausreichende Zeit investiert. Nocker, die sowohl die österreichische als auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, sah sich bisher keinen vergleichbaren Kontroversen ausgesetzt.
Beim Umgang mit Feedback prallen ihre Ansichten aufeinander. Happel gibt offen zu, dass sie es sich wünscht, von allen gemocht zu werden, während Nocker jeden respektvollen Kommentar schätzt. Beide wertschätzen zwar die Ehrlichkeit der anderen, empfinden sie mitunter aber auch als störend.
Auch in ihrer Haltung zur #MeToo-Bewegung gehen ihre Meinungen auseinander. Nocker unterstützt die weitere Entwicklung der Bewegung und glaubt, dass der Fortschritt nicht stillstehen darf. Happel hingegen ist der Ansicht, dass das volle Potenzial der Bewegung noch nicht ausgeschöpft wurde.
Bald werden Happels Der heilige Falstaff und Nockers Mythen des Alltags in Wien über die Bühne gehen. Ihre beruflichen Wege mögen unterschiedlich sein, doch beide eint ihr Engagement für das Theater. Jenseits der Arbeit zeigt ihre Freundschaft – geprägt von Ehrlichkeit und gelegentlichen Spannungen –, wie sich privates und künstlerisches Leben miteinander verflechten.






