Rechtsstreit um die Zukunft der deutschen Presseverteilung eskaliert
In Deutschland bahnt sich ein Rechtsstreit um die Zukunft der Presseverteilung an. Der Bundesverband Presse-Grosso hat angekündigt, die Umstrukturierungspläne des FFF-Bündnisses bis zum Sommer 2023 gerichtlich anzufechten. Das von großen Verlagen getragene Bündnis will die Lieferkette der Branche grundlegend reformieren.
Das FFF-Bündnis, zu dem Axel Springer, die Bauer Media Group und die Süddeutsche Zeitung gehören, strebt an, die derzeit 13 regionalen Großhändler durch einen zentralen Verteiler zu ersetzen. Bis Ende 2026 soll die Presse-Grosso-Allianz (PGA) als alleiniger Großhändler für das gesamte Land fungieren. Im neuen Modell blieben nur vier Unternehmen als „Systempartner“ erhalten, während andere zu reinen Logistikdienstleistern herabgestuft würden.
Der Bundesverband Presse-Grosso kritisiert das Vorgehen der Verlage als „bewusste und abgestimmte Zerstörung“ eines unabhängigen Wirtschaftssektors. Einige Großhändler, darunter Jost, Mietke, PGSW und Grossounion Nord, haben bereits rechtliche Schritte gegen die Kündigung ihrer Verträge eingeleitet. Das Landgericht Dortmund wies jedoch Eilanträge der Unternehmen PDG und Lütkemeyer ab, mit denen sie die Vertragsbeendigungen verhindern wollten. Beide Firmen kündigten an, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen, um ihre Rolle im Vertriebsnetz zu verteidigen.
Bisher hält sich die Regulierungsbehörde zurück: Das Bundeskartellamt erklärte, vorerst nicht eingreifen zu wollen, nachdem die Verlage ihre Pläne angepasst hatten.
Im Mittelpunkt des Konflikts steht der Vorstoß des FFF-Bündnisses, die Verteilung bis 2026 zu zentralisieren. Die Klagen von Großhändlern und Branchenverbänden zielen darauf ab, die Umstellung zu stoppen oder neu zu gestalten. Das Ergebnis wird die künftige Struktur des deutschen Pressevertriebs entscheidend prägen.
