Wasserstoffaktien zwischen Hoffnung und Rückschlägen: Nel ASA erholt sich leicht, Ölpreisverfall belastet den Sektor
Jonas WagnerWasserstoffaktien zwischen Hoffnung und Rückschlägen: Nel ASA erholt sich leicht, Ölpreisverfall belastet den Sektor
Wasserstoff- und Energiewerte verzeichneten letzte Woche gemischte Entwicklungen, da Marktverschiebungen und operative Hürden das Anlegervertrauen belasteten. Während Nel ASA in Stuttgart eine leichte Erholung zeigte, kam der Aufwärtstrend von Bloom Energy nach monatelangen Gewinnen zum Stillstand. Gleichzeitig haben sinkende Ölpreise die Aussichten für den Sektor neu gezeichnet – mit sowohl Risiken als auch möglichen Chancen für Wasserstoffunternehmen.
Die Aktien von Nel ASA eröffneten am Freitag in Stuttgart mit einem Plus von 2,5 % bei 0,192 Euro. Der norwegische Wasserstoffspezialist kämpft seit Langem mit schwacher Auftragslage und schrumpfenden Umsätzen, sodass die Aktie nahe ihrem Allzeittief von 0,17 Euro notiert. Dennoch hält eine kleine, aber hartnäckige Investorengruppe dem Unternehmen die Treue – trotz allgemeiner Skepsis in der Branche.
In den vergangenen drei Monaten sind die Rohölpreise deutlich von 75 auf 62 Dollar pro Barrel gefallen. Dieser Rückgang dämpfte die kurzfristige Nachfrage nach Wasserstoffalternativen und traf Nel ASA besonders hart: Die Aktie verlor 15 %, der Börsenwert brach um 22 % ein. Bloom Energy, das sich auf den US-Markt für Brennstoffzellen konzentriert, kam mit einem Minus von 8 % besser davon, während der britische Anbieter ITM Power zwar 12 % einbüßte, aber in Elektrolyseur-Projekten weiterhin Widerstandsfähigkeit zeigt.
Die Papiere von Bloom Energy gaben am Freitag um 1,7 % auf 154,51 Dollar nach und beendeten damit eine längere Aufwärtsphase. Zwar hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Großauftrag von Oracle an Land gezogen, doch Folgeaufträge blieben bisher aus. ITM Power hingegen kündigte eine finale Investitionsentscheidung für ein großes Projekt an, steht aber weiterhin unter Druck, nachhaltige Erfolge vorzuweisen.
In Bielefeld stehen wasserstoffbetriebene Müllfahrzeuge wegen Treibstoffmangels still – lokale Behörden winken die Probleme jedoch als Kinderkrankheiten ab. Der Vorfall unterstreicht die anhaltenden logistischen Herausforderungen bei der Einführung von Wasserstofftechnologien.
Analysten fragen sich inzwischen, ob das rasante Wachstum im KI-Sektor zu Überinvestitionen geführt hat. Die Sorge vor überzogenen Kapitalflüssen hat mittlerweile auch die Energiemärkte erfasst und verstärkt die Unsicherheit über die Zukunft des Wasserstoffs.
Der jüngste Rückgang der Ölpreise hat die kurzfristigen Rahmenbedingungen für Wasserstoffunternehmen verändert – mit sowohl Risiken als auch möglichen Vorteilen. Nel ASAs leichte Erholung gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus, doch die allgemeine Marktlage und operative Verzögerungen belasten weiterhin die Stabilität des Sektors. Anleger beobachten genau, ob es den Unternehmen gelingt, die aktuellen Herausforderungen in nachhaltiges Wachstum umzumünzen.