Über 1.100 Prominente verteidigen künstlerische Freiheit gegen politische Angriffe
Lotta AlbrechtOffener Brief Warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Über 1.100 Prominente verteidigen künstlerische Freiheit gegen politische Angriffe
Über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturfachleute haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die akademische und künstlerische Freiheit in Deutschland verteidigen. Im Mittelpunkt des Streits steht die Kunstakademie Düsseldorf, wo Rektorin Donatella Fioretti nach einer Veranstaltung mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif mit Rücktrittsforderungen konfrontiert wurde. Kritiker:innen warfen al-Sharif Antisemitismus vor, was eine breitere Debatte über politischen Druck auf Universitäten auslöste.
Unter den Unterzeichner:innen befinden sich der Fotograf Wolfgang Tillmans und die Philosophin Susan Neiman. Sie argumentieren, dass zunehmende Einschüchterungsversuche verfassungsmäßig geschützte Freiheiten bedrohen. Die jüngsten Ereignisse könnten ihrer Meinung nach einen gefährlichen Präzedenzfall für staatliche Einmischung in Bildung und Kultur schaffen.
Der Konflikt begann im Januar 2026, als die Düsseldorfer Kunstakademie Basma al-Sharif zu einer Veranstaltung einlud. Jüdische Organisationen protestierten und bezeichneten ihre pro-palästinensischen Instagram-Posts als antisemitisch. Trotz der Vorwürfe kam eine juristische Prüfung zu dem Schluss, dass ihre Äußerungen nicht strafbar seien und unter die Meinungsfreiheit fielen.
Wegen Drohungen in sozialen Medien beschränkte die Akademie die Veranstaltung auf ein internes Publikum. Rektorin Fioretti verteidigte diese Entscheidung und betonte, dass "Cancel Culture an unserer Institution keinen Platz" habe. Die Mehrheit des Lehrkörpers und der Studierenden unterstützte ihre Haltung, doch Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller schloss sich in einer Petition den Forderungen nach ihrem Rücktritt an.
Der offene Brief kritisiert die Wortwahl des Wissenschaftsausschusses von Nordrhein-Westfalen, der die künstlerische Freiheit als "Deckmantel" für fragwürdige Aktivitäten bezeichnete. Die Unterzeichner:innen sehen darin eine Untergrabung grundlegender Rechte und fordern die Politiker:innen auf, sich erneut klar zu den verfassungsmäßigen Schutzbestimmungen gegen Zensur zu bekennen.
Fioretti soll nun am kommenden Mittwoch vor einer Sondersitzung des Landtagsausschusses für Kultur und Medien aussagen. Der Brief bekundet Solidarität mit ihr und verurteilt, was als politische Kampagne gegen institutionelle Verantwortungsträger:innen bezeichnet wird.
Der Streit verdeutlicht die Spannungen zwischen freier Meinungsäußerung und politischer Kontrolle in deutschen Kultureinrichtungen. Mit über 1.100 prominenten Unterstützer:innen hat der Fall nationale Aufmerksamkeit auf die Gefahren staatlicher Übergriffe gelenkt. Fiorettis anstehende Aussage wird voraussichtlich die weiteren Diskussionen über akademische Autonomie und künstlerische Freiheit prägen.