24 March 2026, 20:03

Thomas Frauendienst überlebte den "Sterbebunker" – doch sein Leid war kein Einzelschicksal

Schwarz-weiß-Zeichnung eines mehrstöckigen Gebäudes mit zahlreichen Fenstern und einem Schornstein, das als Psychiatrieklinik in Deutschland bezeichnet wird, mit handgeschriebener Text auf dem Papier.

Thomas Frauendienst überlebte den "Sterbebunker" – doch sein Leid war kein Einzelschicksal

Thomas Frauendienst wurde am 23. März 1964 mit angeborenen spastischen Klumpfüßen geboren. Noch in derselben Nacht kam er ins Johanna-Helene-Heim in Volmarstein – eine Einrichtung, die später als "Sterbebunker" bekannt wurde, wegen der extrem hohen Kindersterblichkeit. Seine Familie hatte ihn verstoßen und in einer Anstalt zurückgelassen, in der Vernachlässigung und Misshandlung an der Tagesordnung waren.

Von Geburt an war Frauendienst unter der Nummer 2033 im Institutsbuch Kinder in Sonderbehandlung erfasst. Seine frühen Jahre waren geprägt von unerträglichem Leid: über 80 Operationen, chronischer Hunger und wiederkehrende Gewalt. Sexueller Missbrauch und systematische Vernachlässigung hinterließen tiefe Spuren.

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1968 zog eine junge Diakonisse im Volmarsteiner Heim die Notbremse und drohte, die Zustände öffentlich zu machen. Unter diesem Druck nahm Frauendiensts Familie ihn schließlich auf – doch er kam schwer unterernährt an. Eine Familienfreundin, Ingrid, kümmerte sich in dieser Zeit um ihn.

Eine Studie aus dem Jahr 2020 enthüllte später, dass in ähnlichen Einrichtungen Nordrhein-Westfalens – darunter das Jugendhilfezentrum in Marl und das Pädagogische Therapiezentrum in Krefeld – rund 1.000 Kinder systematisch mit Psychopharmaka sediert wurden. Etwa 20 Prozent der in Heimen untergebrachten Jugendlichen in der Region erlitten missbräuchliche Ruhigstellung, nicht autorisierte medizinische Versuche sowie körperliche und sexuelle Gewalt.

Jahrzehnte später erhielt Frauendienst von der Diakonie Rheinland/Westfalen-Lippe eine Entschädigung von 5.000 Euro für den erlittenen sexuellen Missbrauch. Trotz der emotionalen Kälte seiner inzwischen verstorbenen Eltern hat er mittlerweile Frieden mit ihnen geschlossen.

Frauendiensts Schicksal steht exemplarisch für die systematischen Misshandlungen in NRW-Heimen. Seine Entschädigung und persönliche Versöhnung markieren das Ende eines langen Kampfes um Anerkennung. Die Studie von 2020 bestätigte, dass das Leid weit über die Mauern Volmarsteins hinausreichte.

Quelle