Rechtsextremisten sagen Heiligabend-Demo in Münster überraschend ab
Rechtsextremisten haben ihre geplante Demonstration am Heiligabend in Münster abgesagt. Der Rückzug folgt auf monatelange Proteste und juristische Auseinandersetzungen um ein Neonazi-Grab in Dortmund. Lokale Aktivisten behaupten, ihr Widerstand habe eine entscheidende Rolle bei dieser Entscheidung gespielt.
Im Mittelpunkt des Streits steht das Grab von Siegfried "SS-Siggi" Borchardt, einem verurteilten Neonazi. Die Dortmunder Behörden verweigern eine anonyme Beisetzung, da sie befürchten, die Stelle könnte zu einem Wallfahrtsort für rechtsextreme Gruppen werden. Diese Haltung hat wiederholt Demonstrationen vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster ausgelöst.
Rechtsextremisten versammelten sich in diesem Jahr bereits dreimal vor dem Gericht, um ihren Unmut zum Ausdruck zu bringen. Bei einer Kundgebung am 13. September kündigten sie an, am Heiligabend zurückzukehren. Wie die Polizei diese Woche bestätigte, haben die Organisatoren ihre Anmeldung jedoch inzwischen zurückgezogen.
Das Bündnis "Kein Meter den Nazis" begrüßte die Absage. Sprecher Carsten Peters erklärte, ihre Proteste hätten Wirkung gezeigt. Trotz des Rückzugs bleibt die eigene Gegenkundgebung des Bündnisses für den Heiligabend angemeldet.
Münster hat sich zu einem Brennpunkt rechtsextremer Aktivitäten entwickelt und wird von Extremisten oft als "Frontstadt" bezeichnet. Ähnliche juristische Konflikte um anonyme Gräber gab es in den vergangenen fünf Jahren in Plauen, Jena und Chemnitz. In allen Fällen entschieden die Gerichte gegen die Anonymität und ordneten die Veröffentlichung der Bestattungsdaten an.
Die Absage der Demonstration entschärft zwar einen Konfliktpunkt, doch die Spannungen um Borchardts Grab bestehen fort. Während Dortmund weiterhin eine anonyme Beisetzung ablehnt, bereiten sich Aktivisten auf weiteren Widerstand vor. Der Streit verdeutlicht die größeren Konflikte darüber, wie Deutschland mit dem Erbe rechtsextremer Persönlichkeiten umgeht.






