Psychotherapeut:innen in NRW protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und lange Wartezeiten
Lotta AlbrechtPsychotherapeut:innen in NRW protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und lange Wartezeiten
Psychotherapeut:innen in Nordrhein-Westfalen (NRW) gehen an diesem Donnerstag auf die Straße, um gegen geplante Honorarkürzungen zu protestieren. Die Demonstrationen finden statt, während Patient:innen in der Region bereits im Schnitt fünf Monate auf einen Ersttermin warten müssen. Die Veranstalter warnen, dass zusätzliche finanzielle Belastungen den Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung weiter verschlechtern könnten.
Die Proteste sind in mehreren NRW-Großstädten geplant, darunter Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Bielefeld. Die Therapeut:innen wehren sich gegen eine Kürzung der Erstattungssätze um 4,5 Prozent für gesetzlich Versicherte, die ab dem 1. April 2026 in Kraft treten soll. Fachverbände argumentieren, dass die Kürzungen noch mehr Behandler:innen dazu veranlassen könnten, sich auf Privatpatient:innen zu konzentrieren – diese zahlen deutlich höhere Honorare.
Laut Zahlen der Bundespsychotherapeutenkammer aus dem Jahr 2024 fehlen in Deutschland derzeit 20.000 bis 30.000 Kassenarztsitze für Psychotherapeut:innen. Besonders betroffen sind NRW sowie Berlin und Bayern. Zudem ist die Vergabe dieser Zulassungen mit hohen Kosten verbunden, da es kein einheitliches Preissystem gibt.
Psychotherapeut:innen verdienen in Deutschland bereits jetzt weniger als alle anderen Fachgruppen im Gesundheitswesen. Kritiker:innen befürchten, dass die geplanten Kürzungen die Krise weiter verschärfen und es für gesetzlich Versicherte noch schwieriger machen werden, zeitnah eine Behandlung zu finden.
Die Demonstrationen unterstreichen die wachsende Sorge um die Zugänglichkeit psychotherapeutischer Versorgung in NRW. Angesichts von Wartezeiten von mehreren Monaten und einem eklatanten Mangel an zugelassenen Behandler:innen könnten weitere Kürzungen das System an seine Grenzen bringen. Die Ergebnisse der Proteste könnten künftige politische Entscheidungen zu Honorarregelungen und Zulassungsverfahren beeinflussen.






