Nora Burgard-Arp liest in Bottrop aus dystopischem Roman "Wir nicht" – und entfacht Debatte über Abtreibungsrechte
Miriam KönigNora Burgard-Arp liest in Bottrop aus dystopischem Roman "Wir nicht" – und entfacht Debatte über Abtreibungsrechte
Die preisgekrönte Autorin Nora Burgard-Arp besuchte am 26. September 2025 Bottrop für eine Lesung aus ihrem dystopischen Roman "Wir nicht". Die vom Gleichstellungsbüro der Stadt organisierte Veranstaltung stand im Zeichen des bevorstehenden Internationalen Tages für sichere Abtreibung am 28. September. Die Besucher:innen hörten Auszüge aus dem Buch, bevor eine Diskussion über reproduktive Rechte und politisches Engagement folgte.
In ihrem Debütroman entwirft Burgard-Arp eine Zukunft, in der Frauen ihre reproduktiven Freiheiten vollständig entzogen werden. Die Handlung folgt Mathilda, einer Frau, die sich zunächst den unterdrückerischen Regeln fügt, bis eine ungewollte Schwangerschaft sie zum Widerstand bringt. Sie verschweigt ihren Zustand vor ihrem Mann und beginnt, das System infrage zu stellen. Das Buch schildert zudem beunruhigende Szenarien wie staatlich kontrollierte Menstruationstracking-Apps und überwachte Schwangerschaftstests.
Die Lesung fand in Kooperation mit der Bottroper Humboldt-Buchhandlung statt und wurde von einer Signierstunde begleitet. Im Anschluss verlagerte sich der Austausch auf reale Parallelen. Burgard-Arp erläuterte ihre Recherchen, zu denen auch die Analyse der Sprache rechtsextremer Gruppen in Telegram-Chats gehörte. Die Zuhörer:innen diskutierten anschließend, wie sich solche dystopischen Zustände verhindern lassen – mit Fokus auf die individuelle politische Verantwortung.
Deutschlands Abtreibungsrecht ist seit 1871 Teil des Strafgesetzbuchs, doch die öffentliche Debatte hat an Schärfe gewonnen. Seit 2022 erfahren Initiativen wie der Safe Abortion Day – 1990 für die Entkriminalisierung in Lateinamerika ins Leben gerufen – zunehmende Unterstützung. Umfragen zeigen mittlerweile eine Zustimmung von 70–80 Prozent für legale Abbrüche im Frühstadium, obwohl sie weiterhin unter Strafe stehen. Aktuelle Forderungen umfassen die vollständige Streichung der Abtreibungsstrafbarkeit, wie sie die Brosius-Gersdorf-Kommission 2024 empfahl, sowie Aktivistenproteste gegen § 219a StGB, der die Online-Information über Schwangerschaftsabbrüche einschränkt.
Neben ihren öffentlichen Auftritten bietet Burgard-Arp kostenlose Schullesungen auf Einladung von Lehrkräften an. Das Bottroper Gleichstellungsbüro, das sich seit Langem für Reformen einsetzt, nutzte die Veranstaltung, um auf die anhaltenden Kämpfe für reproduktive Gerechtigkeit aufmerksam zu machen.
Der Abend endete mit einem Appell zum Handeln, der die fiktive Erzählung mit aktuellen politischen Kämpfen verband. Burgard-Arps Roman dient dabei sowohl als Mahnmal als auch als Katalysator für die Debatte über Abtreibungsrechte. Gleichzeitig drängen Aktivist:innen und Politiker:innen weiter auf systemischen Wandel – von der Abschaffung veralteter Gesetze bis hin zum Ausbau des Zugangs zu sicheren Abbrüchen.






