Neue Führung bei SelbstAktiv: Solingen kämpft für echte Inklusion in NRW
Anna FuchsNeue Führung bei SelbstAktiv: Solingen kämpft für echte Inklusion in NRW
SelbstAktiv: Solinger Behindertenrechtsorganisation wählt neue Führung für mehr Inklusion in NRW
Die Solinger Behindertenrechtsorganisation SelbstAktiv hat eine neue Führungsspitze gewählt, um sich stärker für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in Nordrhein-Westfalen einzusetzen. Dorothee Daun bleibt Vorsitzende, unterstützt von den Stellvertretern Heiner Backhaus und Yesim Özem. Die Gruppe will sich künftig vermehrt den anhaltenden Herausforderungen in den Bereichen Finanzierung, Barrierefreiheit und gesellschaftliche Teilhabe widmen.
Bei einer kürzlichen Veranstaltung wies Gastredner Josef Neumann auf die Schwierigkeiten hin, mit denen Integrationshelfer konfrontiert sind, während lokale Aktivist:innen systemische Lücken in der Unterstützungsinfrastruktur kritisierten. Die Debatte fällt in eine Zeit, in der Solingen zwar ein Jahrzehnt Fortschritte in Sachen Inklusion bilanziert, gleichzeitig aber mit finanziellen und bürokratischen Hürden kämpft.
Dorothee Daun, die SelbstAktiv für eine weitere Amtszeit führt, bringt jahrzehntelange Erfahrung mit: Über 30 Jahre saß sie für die SPD im Solinger Stadtrat, heute setzt sie sich auf regionaler Ebene für soziale Teilhabe ein. Zudem leitet sie Autismus Rhein-Wupper sowie den Paritätischen Wohlfahrtsverband Solingen. Auf der Veranstaltung benannte sie zentrale Problemfelder: chronische Unterfinanzierung, unklare Zuständigkeitsverteilungen zwischen Kommunen, Landkreisen und Land sowie uneinheitliche Förderstrukturen für Behindertendienste.
Zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde Heiner Backhaus, Medienwirtschaftler und Vorsitzender des Vereins Barrierefreies Solingen. Seit einem Unfall 1985 auf den Rollstuhl angewiesen, betonte er, SelbstAktiv müsse die Interessen von Betroffenen konsequent und mutig vertreten. Die zweite Stellvertreterin, Yesim Özem, arbeitet in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen und engagiert sich ehrenamtlich in deren Beirat. Zudem vertritt sie die SPD im Beirat für Menschen mit Behinderungen der Stadt Solingen. Özem regte an, Inklusion stärker im städtischen Kulturleben zu verankern – etwa durch ein inklusives Karnevalsangebot.
Ein weiterer Redner war Josef Neumann, der über die Kampagne der Lebenshilfe NRW gegen Kürzungen bei Integrationshelfern sprach. Seine Ausführungen unterstrichen die generellen Sorgen über Finanzierungsengpässe. Solingen selbst hat in den vergangenen Jahren Fortschritte erzielt: 2018 führte die Stadt ein Inklusionskonzept ein, Initiativen wie Solingen inklusiv fördern barrierefreie Arbeitsplätze. Schulen integrieren zunehmend Menschen mit Behinderungen in Regelklassen, Arbeitgeber setzen auf Quotenmodelle. Dennoch bleiben Herausforderungen – etwa ein erwartetes Haushaltsdefizit von 20 Millionen Euro im Jahr 2025, Personalmangel an Schulen und Verzögerungen bei der Bewilligung von Bundes- und Landesmitteln.
Sowohl Heiner Backhaus als auch Daun betonten die Notwendigkeit einer stärkeren Interessenvertretung, um bürokratische Blockaden zu überwinden. Özem ergänzte, dass kulturelle Projekte helfen könnten, die öffentliche Wahrnehmung zu ändern und Inklusion als selbstverständlichen Teil des städtischen Alltags zu etablieren.
Die neue Führung von SelbstAktiv wird sich vor allem auf die Sicherung besserer Finanzmittel und die Verbesserung von Unterstützungsstrukturen für Menschen mit Behinderungen konzentrieren. Geplant ist, sowohl die finanziellen Engpässe als auch administrative Hürden anzugehen, die den Fortschritt bremsen. Gleichzeitig laufen lokale Initiativen wie inklusive Bildung und Arbeitsmarktprogramme weiter – doch Haushaltszwänge und Personalengpässe gefährden ihren Erfolg.






