16 March 2026, 12:10

Millionenkosten für Steuerzahler: Das teure Erbe des gescheiterten THTR-300-Reaktors

Ein Diagramm eines Kernkraftwerks mit einem Haus, einem Turm und Wasser im Hintergrund, begleitet von beschreibendem Text.

Millionenkosten für Steuerzahler: Das teure Erbe des gescheiterten THTR-300-Reaktors

Die Stilllegung des problembehafteten deutschen Thorium-Hochtemperaturreaktors (THTR-300) wird die Steuerzahler mehrere hundert Millionen Euro kosten. Die Anlage, die nach nur sechs Betriebsjahren 1989 abgeschaltet wurde, steht nun vor einem jahrelangen Rückbau. Da die Betreiberfirma insolvent ist, müssen die öffentlichen Haushalte den Großteil der geschätzten Gesamtkosten von 441 Millionen Euro tragen.

Der Bau des THTR-300 begann 1971 in Uentrop bei Hamm und wurde größtenteils mit Steuergeldern finanziert. Der Bund steuerte 1,284 Milliarden Euro bei, das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) weitere 233 Millionen Euro. Der Reaktor lief jedoch nur 423 Tage unter Volllast und verzeichnete in dieser Zeit 125 meldepflichtige Zwischenfälle. Die endgültige Abschaltung 1989 folgte auf steigende Kosten und einen schweren Störfall im Jahr 1986.

Der Brennstoff des Reaktors enthielt zu 93 Prozent hochangereichertes, waffenfähiges Uran – ein Proliferationsrisiko, das den damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter 1977 zum Stopp dieser Nutzung veranlasste. Heute lagern in Ahaus noch 305 Castor-Behälter mit rund 675.000 bestrahlten Brennelement-Kugeln in einem Zwischenlager, für die es noch immer keine endgültige Entsorgungslösung gibt.

Laut Stilllegungsplan soll der Reaktor bis 2027 in einer sicheren Einschließung verbleiben. Ab 2028 beginnen dann die Vorbereitungen für den Rückbau, der voraussichtlich bis 2044 dauern wird. Die Insolvenz der Betreibergesellschaft, der Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG), überlässt die Hauptlast der Kosten den Steuerzahlern. Von den benötigten 441 Millionen Euro übernimmt der Bund 133 Millionen Euro, NRW 152 Millionen Euro und die abgewickelte HKG lediglich 156 Millionen Euro.

Das Erbe des THTR-300 umfasst eine jahrelange Stillstandsphase, ungelöste Probleme mit radioaktivem Abfall und eine auf die Öffentlichkeit abgewälzte finanzielle Belastung. Da sich der Rückbau bis in die 2040er-Jahre hinziehen wird, verdeutlicht das Projekt die langfristigen Herausforderungen bei der Stilllegung experimenteller Kernanlagen. Die eingelagerten Brennelement-Kugeln, für die es noch immer kein Endlager gibt, bleiben eine zentrale Sorge für die Behörden.

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