Maria Kalesnikava erhält Karlspreis nach Jahren in belarussischer Haft
Jonas WagnerMaria Kalesnikava erhält Karlspreis nach Jahren in belarussischer Haft
Maria Kalesnikava, eine Schlüsselfigur der belarussischen Protestbewegung von 2020, hat den Internationalen Karlspreis endlich persönlich entgegengenommen. Die Auszeichnung, die ihr 2022 während ihrer Haft zuerkannt worden war, wurde ihr am 14. März 2026 in Aachen offiziell überreicht. Ihre Freilassung Ende 2025 nach Jahren in Gefangenschaft markierte einen seltenen Hoffnungsschimmer angesichts der anhaltenden Repression in Belarus.
Kalesnikava war im September 2020 in Minsk festgenommen worden, nachdem sie gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Alexander Lukaschenko protestiert hatte. Ein Jahr später wurde sie zu elf Jahren Haft verurteilt. Dennoch erhielt sie gemeinsam mit anderen Oppositionellen 2022 den Karlspreis für ihren Einsatz gegen den Autoritarismus und ihr Engagement für demokratische Reformen.
Der Internationale Karlspreis zu Aachen, 1950 ins Leben gerufen, zählt zu den höchsten Auszeichnungen Europas. Er würdigt Persönlichkeiten, die sich herausragend für die Einheit und den Fortschritt des Kontinents einsetzen. Dass Kalesnikava den Preis erst 2026 persönlich annehmen konnte, unterstreicht die anhaltenden Kämpfe in Belarus, wo laut aktuellen Zahlen noch immer 1.149 politische Gefangene inhaftiert sind.
Ihre Freilassung im Dezember 2025 erfolgte im Rahmen einer begrenzten Amnestie, bei der 342 Häftlinge entlassen wurden – die meisten von ihnen ins Exil nach Litauen und in die Ukraine abgeschoben. Inzwischen in Deutschland lebend, sendet Kalesnikavas Auftritt in Aachen ein starkes Signal an alle, die sich in Europa für Freiheit und Demokratie einsetzen.
In Belarus hält die brutale Unterdrückung unter Lukaschenko unvermindert an: Menschenrechtsverletzungen und Folter sind nach wie vor an der Tagesordnung. Kalesnikavas Teilnahme an der Preisverleihung steht gleichermaßen für ihren ungebrochenen Widerstandswillen wie für die anhaltenden Herausforderungen, vor denen Oppositionelle im Land stehen. Die Veranstaltung lenkt zudem erneut den Blick auf das Schicksal derer, die weiterhin in belarussischen Gefängnissen festgehalten werden.