Klöckner & Co wird US-amerikanisch: Worthington Steel übernimmt Traditionsunternehmen
Jonas WagnerKlöckner & Co wird US-amerikanisch: Worthington Steel übernimmt Traditionsunternehmen
Deutscher Stahlhändler Klöckner & Co wird US-amerikanisch – Übernahme durch Worthington Steel
Der deutsche Stahlgroßhändler Klöckner & Co (Klöco) steht vor einer Übernahme durch den US-Konzern Worthington Steel und wird damit in amerikanischen Besitz übergehen. Die im Januar 2026 bekannt gegebene Vereinbarung folgt auf Jahre finanzieller Belastungen des Unternehmens, die durch steigende Energiekosten und den Konkurrenzdruck durch günstige Stahlimporte aus Asien verursacht wurden.
Laut den Übernahmebedingungen bleibt Klöco vorerst als eigenständige Tochtergesellschaft erhalten. Kurzfristige Entlassungen oder Standortschließungen sind nicht geplant.
Die finanziellen Schwierigkeiten des Unternehmens traten 2025 deutlicher zutage: Der Umsatz sank um 4 % auf 6,4 Milliarden Euro, während der operative Gewinn um 25 % stieg. Trotz dieser Verbesserung verbuchte Klöco jedoch einen Nettoverlust von 53 Millionen Euro.
In den vergangenen fünf Jahren schrumpfte der europäische Marktanteil des Unternehmens von etwa 2,5 % auf 1,8 %. Hohe Energiekosten und billige Stahlimporte aus Asien – insbesondere von chinesischen Konzernen wie Baosteel und dem südkoreanischen Hersteller POSCO – untergruben seine Position. Diese Wettbewerber kontrollieren mittlerweile 25 bis 30 % des europäischen Marktes über Niedrigpreis-Exporte.
Worthington Steel startete seinen Übernahmeversuch Ende 2025 mit einem Angebot von 11 Euro pro Aktie – ein Aufschlag von 80 % auf den Klöco-Aktienkurs von Anfang Dezember. Zunächst gelang es dem US-Unternehmen nicht, ausreichend Anteile zu sichern, doch nach einer Senkung der Annahmequote auf 57,5 % und einer Fristverlängerung hielt es bis Januar 2026 56,9 % der Anteile und erhielt die Zustimmung des Vorstands.
Die Fusionsvereinbarung sieht vor, dass Klöcos europäische Zentrale in Düsseldorf bleibt. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 6.500 Mitarbeiter, davon 650 im Ruhrgebiet über seine Tochter Becker Group. Die Übernahme soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden.
Der Deal markiert einen Einschnitt für Klöco nach Jahren sinkender Marktanteile in Europa. Durch die Übernahme von Worthington Steel wechselt das Unternehmen in US-Besitz, behält aber vorerst seine bisherigen Strukturen bei. Kurzfristige Änderungen bei Personal oder Standorten sind nicht vorgesehen.






