16 April 2026, 20:04

Karenztage-Pläne lösen Streit über Krankengeld-Reform in Deutschland aus

Plakat mit hellblauem Hintergrund, das eine Gruppe strahlender Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts und Ethnien zeigt, mit fetter schwarzer Schrift, die "Dreifache Anzahl von Gemeindegesundheitsjobs" in der Mitte des Bildes angibt.

Karenztage-Pläne lösen Streit über Krankengeld-Reform in Deutschland aus

In Deutschland hat sich die Debatte über Reformen beim Krankengeld verschärft – insbesondere die Pläne, sogenannte Karenztage wieder einzuführen, also Tage ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, stoßen auf massive Kritik. Politiker, Gesundheitsexperten und Wirtschaftsvertreter haben sich zu Wort gemeldet, während eine aktuelle Studie die bestehenden Regelungen mit einem Anstieg der Kurzzeiterkrankungen im Jahr 2024 in Verbindung bringt.

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Auslöser der Diskussion war ein Vorstoß des FDP-Politikers Carl-Julius Cronenberg, der ab 2025 bis zu drei Karenztage einführen möchte. Nach diesem Modell würden Arbeitnehmer in den ersten Tagen einer Erkrankung kein Krankengeld erhalten. Doch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann lehnte den Vorschlag ab und verwies auf negative Erfahrungen aus der Vergangenheit. Solche Maßnahmen hätten sich oft als kontraproduktiv erwiesen, da sie zu späterem Arztbesuch und längeren Fehlzeiten führten, so seine Argumentation.

Zündstoff lieferte zudem eine Untersuchung des ZEW – Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Demnach tragen die aktuellen Krankengeldregelungen zu einem Anstieg der Kurzzeiterkrankungen in diesem Jahr bei. Gleichzeitig lehnen jedoch zwei Drittel der Befragten in der #whatsnext-Studie der Techniker Krankenkasse (TK) Kürzungen beim Krankengeld ab. TK-Vorstandsvorsitzender Jens Baas warnte, dass eine Reduzierung der Leistungen Arbeitnehmer dazu veranlassen könnte, Arzttermine hinauszuzögern – mit der Folge verschlechterter Gesundheitszustände und höherer Fehlzeiten auf lange Sicht.

Unterdessen setzen viele Unternehmen auf einen anderen Ansatz: Statt das Krankengeld zu kürzen, investieren sie in gesündere Arbeitsbedingungen und ein vertrauensvolleres Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Mitarbeitern. Das NRW-Arbeitsministerium unterstützt diese Entwicklung und fördert Unternehmensstrukturen, die das Wohlbefinden der Beschäftigten in den Mittelpunkt stellen. Die Personalexpertin Magdalena Rogl kritisierte den Fokus auf Krankengeldkürzungen und betonte, dass Vertrauen und präventive Gesundheitsmaßnahmen weitaus wirksamer seien. Zudem beobachtete sie, dass immer mehr Betriebe moderne Führungsstile einführen, die klare Konzepte zur Gesundheitsförderung und Mitarbeiterunterstützung vorsehen.

Rechtliche Hürden erschweren die Umsetzung der Karenztage zusätzlich. Jede Änderung würde eine neue Gesetzesgrundlage erfordern, da das aktuelle Recht keine vorübergehende Aussetzung des Krankengelds ohne klaren rechtlichen Rahmen zulässt.

Der Vorstoß für Karenztage trifft damit auf Widerstand von Gesundheitsbehörden, Wirtschaftsvertretern und der Bevölkerung. Stattdessen setzen Unternehmen auf verbesserte Arbeitsbedingungen, um Fehlzeiten zu reduzieren, während Experten warnen, dass Kürzungen beim Krankengeld zu schwerwiegenderen gesundheitlichen Problemen führen könnten. Ohne gesetzliche Anpassungen bleibt der Vorschlag vorerst undurchführbar.

Quelle