Italienische Migranten in Deutschland: Von Zwangsarbeit zu politischer Stimme

Italienische Migranten in Deutschland: Von Zwangsarbeit zu politischer Stimme
Zwischen den späten 1930er-Jahren und den 1960er-Jahren wanderten Zehntausende Italiener unter höchst unterschiedlichen Umständen nach Deutschland aus. Anfangs als Saisonarbeiter gekommen, wurden sie später zu unverzichtbaren Industriearbeitern – teils freiwillig, teils unter Zwang. Ihre Erfahrungen reichten von harter Diskriminierung bis zu politischem Engagement und prägten damit ein komplexes Kapitel der europäischen Migrationsgeschichte.
Vor dem Zweiten Weltkrieg waren Italiener oft als temporäre Landarbeiter willkommen. Doch mit dem Fortschreiten des Krieges änderten sich ihre Rollen. Nach dem Seitenwechsel Italiens 1943 wurden über 600.000 italienische Soldaten von deutschen Truppen zu "Italienischen Militärinternierten" erklärt. Ihnen wurden die Rechte entzogen, und sie wurden unter brutalen Bedingungen zur Zwangsarbeit gezwungen.
In den Nachkriegsjahren kehrten die meisten Internierten und Zwangsarbeiter nach Italien zurück. Doch eine kleine Gruppe blieb und bildete die erste Welle dessen, was später zur Gastarbeiter-Generation werden sollte. Wer blieb, erlebte gemischte Reaktionen: Manche stießen auf Feindseligkeit, wurden als "Badoglio-Verräter" beschimpft oder mit Schimpfwörtern wie "Itaker" verspottet, andere fanden Unterstützung bei deutschen Zivilisten. In den 1950er- und 1960er-Jahren folgte eine neue Migrationswelle – diesmal als angeworbene Arbeitskräfte für Deutschlands boomende Industrie. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern waren viele politisch aktiv, oft mit kommunistischen oder gewerkschaftlichen Überzeugungen. Sie organisierten sich in Gewerkschaften, gründeten italienische Kulturvereine und blieben mit den politischen Bewegungen in ihrer Heimat verbunden.
Das Verhältnis zwischen den beiden Nationen blieb angespannt. In Italien hielt sich wegen der Kriegsbesetzung noch lange Groll gegen die Deutschen, doch die wirtschaftliche Vernunft setzte sich durch. Deutsche Touristen kehrten in den 1950er-Jahren in italienische Ferienorte zurück, während ehemalige Zwangsarbeiter und Soldaten die Narben ihrer Zeit in Deutschland mit sich trugen.
Die italienische Erfahrung in Deutschland umfasst Zwangsarbeit, wirtschaftliche Migration und politisches Engagement. Die frühen Migranten litten unter Ausbeutung und Rassismus, während spätere Generationen Räume für kulturellen und politischen Ausdruck schafften. Ihre Geschichten zeigen die Spannungen zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit, Kriegstraumata und dem langsamen Prozess der Aussöhnung zwischen den beiden Ländern.

