Fokins revolutionäre Revisor-Produktion feiert Jubiläum am Alexandrinski-Theater

Miriam König
Miriam König
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Ein Mann und zwei Frauen in traditioneller russischer Kleidung aus dem 19. Jahrhundert, wobei der Mann eine Waffe hält und russischer Text am unteren Rand.Miriam König

Fokins revolutionäre Revisor-Produktion feiert Jubiläum am Alexandrinski-Theater

Das Alexandrinski-Theater hat eine mutige Neuinszenierung von Der Revisor präsentiert, die unter der Regie von Waleri Fokin entstanden ist. Die Produktion markiert das hundertjährige Jubiläum von Wsewolod Meyerholds einflussreicher Fassung von 1926 am selben Ort. Fokins jüngstes Werk verbindet historische Einflüsse mit seiner eigenen Interpretation aus dem Jahr 2002 und schafft so eine visuell beeindruckende Hommage an das Erbe des Stücks.

Die Premiere zog prominente Persönlichkeiten an, darunter der Direktor der Eremitage, Michail Piotrowski, der während der imperialen Hymne in der Zarenloge stand. Diese Wiederbelebung greift zudem Elemente der legendären Uraufführung von 1836 auf, die sogar Zar Nikolaus I. beiwohnte.

Fokins Inszenierung vereint biomechanische Ästhetik, konstruktivistisches Design und groteske Körperlichkeit. Die Schauspieler vollführen akrobatische Bewegungen, tragen Uniformen aus der Zarenzeit und interagieren mit sich verschiebenden Bühnenplattformen. Projektionen knüpfen zusätzlich an Meyerholds avantgardistischen Stil an, bewahren aber auch die Bezüge zu Fokins früherer Fassung von 2002.

Am Premierenabend gab es eine symbolträchtige Geste: Als Gott erhalte den Zaren! durch den Zuschauerraum erklang, stand Piotrowski in der Zarenloge – eine direkte Anspielung auf den historischen Kontext der Uraufführung. Nikolaus I. soll nach der Vorstellung von 1836 bemerkt haben: "Was für ein Stück! Jeder hat sein Teil abbekommen – aber ich am meisten!"

Tichon Schisnewski glänzt als Chlestakow, eine Figur, die nach dem Konsum eines "magischen" Elixiers ihre täuschende Fassade ablegt. Sergei Parschin verkörpert als Stadtvorsteher eine Mischung aus grotesker Überzeichnung und natürlicher Sprache, die dem Absurden des Stücks eine erdende Note verleiht. Die Inszenierung endet mit einer ungewöhnlichen, 90 Sekunden langen stummen Szene, gefolgt von einer Fortsetzung – einer Diskussion zwischen Schauspielern und Kritikern über die Aufführung selbst.

Konstantin Raikin, der in den späten 1960er-Jahren bei Fokin studierte, lobt die regievisionäre Kraft seines Mentors. Eduard Kotschergin, ein langjähriger Weggefährte, beschreibt Fokins Methode als eine Synthese "alles Guten aus Dramaturgie, bildender Kunst und Musik". Das Ergebnis ist eine vielschichtige Produktion, die Tradition ehrt und gleichzeitig theatergeschichtliche Grenzen sprengt.

Diese Inszenierung von Der Revisor unterstreicht die tiefe Verbindung des Alexandrinski-Theaters zu dem Stück – von der Uraufführung im 19. Jahrhundert bis zu Meyerholds radikaler Neudeutung. Fokins Version besticht durch die Verschmelzung historischer Bezüge, physischen Theaters und metatheatraler Reflexion. Die Produktion wird zweifellos ein Höhepunkt der Spielzeit 2023/2024 bleiben und dem Publikum sowohl spektakuläre Unterhaltung als auch intellektuelle Anregung bieten.

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