02 April 2026, 14:03

Digitale Gewalt gegen Jugendliche: Warum Schulen und Eltern jetzt handeln müssen

Karte von Australien mit rot schattierten Bereichen, die den Prozentsatz von Minderjährigen in jedem Bundesstaat angeben, mit einer Bildunterschrift unten über einvernehmlichen Sex und die Registrierung von Sexualstraftätern.

Digitale Gewalt gegen Jugendliche: Warum Schulen und Eltern jetzt handeln müssen

Eine aktuelle Studie hat das alarmierende Ausmaß digitaler sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen offenbart. Fast zwei Drittel der 14- bis 25-Jährigen in Deutschland gaben an, solche Übergriffe ohne körperlichen Kontakt erlebt zu haben. Expert:innen warnen nun, dass Schulen, Eltern und Tech-Plattformen dringend stärker zum Schutz von Kindern im Netz handeln müssen.

Eine der führenden Stimmen in diesem Kampf ist Yasmina Ramdani, die seit drei Jahren Präventionsworkshops an Thüringer Schulen durchführt. Ihre Arbeit zeigt, wie schnell digitale Risiken – von Cybergrooming bis zur nicht einvernehmlichen Verbreitung intimer Bilder – zunehmen, oft ohne dass Erwachsene dies ausreichend wahrnehmen.

Zwischen 2022 und 2025 erreichte Ramdanis Pilotprojekt rund 5.000 Schüler:innen der fünften bis achten Klasse. In ihren Workshops setzt sie einfache Methoden ein, etwa ein Bingo-Spiel, um junge Menschen dabei zu unterstützen, digitale Gewalt zu erkennen und darüber zu sprechen. Ziel ist es, Tabus abzubauen und offene Gespräche über Online-Risiken zu fördern.

Das Problem beschränkt sich nicht auf Gefahren durch Fremde. Viele Übergriffe passieren in Freundeskreisen oder Klassenchats, oft aus Unwissenheit über Grenzen und Konsequenzen. Lehrer:innen erkennen zwar die Bedeutung des Themas, fühlen sich aber häufig überfordert. Gleichzeitig prägen das Verhalten und die Einstellung der Eltern zu digitalen Grenzen maßgeblich die Sicherheit der Kinder.

Cybergrooming – also die gezielte Manipulation von Jugendlichen in Chats – hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Täter:innen nutzen dabei die Sehnsucht der Kinder nach Aufmerksamkeit aus und bedienen sich Plattformen, die auf maximale Interaktion und Reichweite ausgelegt sind. Eine Studie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit aus dem Jahr 2025 ergab, dass 24 Prozent der befragten Jugendlichen intime Aufnahmen ohne ihre Zustimmung verbreitet sahen. Prominente Fälle wie die von Collien Fernandes und Christian Ulmen haben zudem die digitale Dimension von Gewalt gegen Frauen weiter ins Licht gerückt.

Ramdani betont, dass Prävention nur durch Vorbereitung gelingen kann. Schulen, Familien und Tech-Unternehmen müssten gemeinsam sicherere Online-Umgebungen schaffen. Ohne Aufklärung, so ihre Warnung, blieben Kinder in nie dagewesenem Maße schutzlos gegenüber Ausbeutung.

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Die Daten zeigen: Fast die Hälfte aller Jugendlichen ist mittlerweile von sexualisierter Gewalt im Netz betroffen. Ramdanis Workshops bieten ein Modell für Aufklärungsarbeit, doch es braucht tiefgreifendere systemische Veränderungen. Schulen benötigen bessere Fortbildungen, Eltern müssen ihr eigenes digitales Verhalten reflektieren, und Plattformen sind gefordert, Funktionen umzugestalten, die Schaden ermöglichen. Ohne diese Schritte werden die Risiken für Kinder weiter anwachsen.

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