Bonn protestiert gegen digitale Gewalt nach Spiegel-Enthüllungen über Collien Fernandes
Anna FuchsBonn protestiert gegen digitale Gewalt nach Spiegel-Enthüllungen über Collien Fernandes
Hunderte Demonstrantinnen und Demonstranten versammelten sich am Sonntag in der Bonner Innenstadt, um strengere Schutzmaßnahmen für Frauen zu fordern. Die Kundgebung folgte einem Der-Spiegel-Bericht über Vorwürfe digitaler Gewalt gegen die Schauspielerin Collien Fernandes. Die Organisatoren riefen zu einem Ende sexualisierter Gewalt auf und forderten Männer auf, schädliche Einstellungen zu hinterfragen.
Die Protestaktion fand vor dem Alten Rathaus am Marktplatz statt und zog über 500 Teilnehmende an. Unter ihnen waren Mitglieder der Grünen, der CDU, der SPD und von Volt – ein Zeichen für breite politische Unterstützung. Die Veranstaltung wurde von einem Bündnis der Bonner Stadtratsparteien organisiert, das verschiedene Fraktionen unter einer gemeinsamen Sache vereinte.
Rednerinnen und Redner betonten auf der Kundgebung die Notwendigkeit, dass Männer Verantwortung im Kampf gegen Frauenfeindlichkeit übernehmen. Sie bezogen sich dabei auf den Der-Spiegel-Report, der detailliert beschreibt, wie Fernandes' Ex-Mann, der Schauspieler Christian Ulmen, angeblich gefälschte Online-Profile von ihr erstellt und pornografische Inhalte verbreitet haben soll. Der Fall hat die Debatte über digitale Gewalt und deren Auswirkungen auf Frauen im öffentlichen Leben neu entfacht.
Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, dass er sich nicht für strengere gesetzliche Regelungen einsetze. Der Protest in Bonn erfolgte einen Tag nach einer Demonstration in Köln, bei der mehr als 5.000 Menschen gegen sexualisierte Gewalt auf die Straße gegangen waren. Zwar hatte Justizministerin Stefanie Hubig (Grüne) zuvor bis zu zwei Jahre Haft für schädliche Deepfakes vorgeschlagen, doch seit der Untersuchung 2023 wurden keine neuen legislativen Schritte angekündigt.
Die Bonner Kundgebung verstärkte den wachsenden Druck für Maßnahmen gegen digitale und physische Gewalt. Das Deutsche Institut für Menschenrechte warnt vor dem "Einschüchterungseffekt", der Frauen aus Politik und Öffentlichkeit verdränge. Bislang bleiben die Forderungen nach Reformen bestehen – konkrete politische Änderungen stehen jedoch noch aus.






