19 February 2026, 18:08

Aschermittwoch in NRW: Politische Wortgefechte statt Fastenbesinnung

Zwei Karikaturenmännchen kämpfen gegeneinander, jeder hält ein großes Blatt Papier in der Hand.

Aschermittwoch in NRW: Politische Wortgefechte statt Fastenbesinnung

Aschermittwoch als politisches Schlagabtausch: NRW-Spitzen liefern sich Wortgefechte

Zum Auftakt der Fastenzeit nutzten die politischen Spitzen Nordrhein-Westfalens die traditionellen Aschermittwochsveranstaltungen für scharfe gegenseitige Angriffe. Bei der SPD-Kundgebung in Schwerte mit rund 650 Teilnehmern stand Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Mittelpunkt, während die CDU in Lennestadt mit Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) für die Bilanz der Landesregierung warb. Die Lager stritten über Wirtschaftskrisen, Sozialpolitik und den Aufstieg der rechtsextremen Szene.

In Schwerte lobte Pistorius die Anstrengungen der Landes-SPD, Familien in NRW stärker zu unterstützen. Er forderte eine bessere Kinderbetreuung, planbare Arbeitszeiten und faire Löhne – und betonte, dass sowohl unbezahlte Care-Arbeit als auch klassische Erwerbsarbeit mehr Wertschätzung verdienten. Zudem mahnte er im Zuge des industriellen Wandels soziale Gerechtigkeit an und rief zu mehr Respekt für Beschäftigte in Umbruchbranchen auf.

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Wüst hingegen präsentierte in Lennestadt die Erfolge seiner schwarz-grünen Koalition und verwies auf die Verdopplung der Polizeianwärterzahlen seit 2023. Gleichzeitig warnte er vor dem Erstarken der Rechten: Die AfD könnte in Ostdeutschland bald einen Ministerpräsidenten stellen, so seine Befürchtung. Wüst appellierte an die Wähler, Extremisten die Macht zu verwehren, und stilisierte dies zur "Schlüsselfrage für die Demokratie".

Doch Kritik kam auch aus den eigenen Reihen der Opposition: SPD-Landeschef Jochen Ott warf Wüst vor, seine Partei nicht im Griff zu haben, und geißelte CDU-Pläne für Kürzungen im Sozialbereich. Gleichzeitig schlugen Wirtschaftsvertreter Alarm: Arndt Kirchhoff, Präsident der NRW-Arbeitgeberverbände, forderte Rentenvund Gesundheitsreformen, um die explodierenden Lohnnebenkosten zu bremsen. SPD-Pläne für eine Reform der Erbschaftsteuer wies er als "vertrauensschädigend für die Wirtschaft" zurück.

Aktuell hält die CDU 76 der 195 Mandate im Düsseldorfer Landtag – seit der Wahl im Mai 2022 unverändert. Doch die Stimmung ist gereizt: Kirchhoff malte ein düsteres Bild der Wirtschaftslage und warnte vor einem monatlichen Verlust von 2.800 Arbeitsplätzen in der Region.

Die Debatten spiegeln tiefe Gräben in Sozial-, Steuer- und Extremismusfragen wider, während NRWs Politik mit dem wirtschaftlichen Abschwung ringt. Zwar steht die nächste Landtagswahl erst 2027 an, doch nutzten beide Lager den Aschermittwoch, um Anhänger zu mobilisieren und die politischen Fronten zu klären. Nun geht es darum, ob Reformen oder politische Kurswechsel die Jobverluste stoppen und den Rechtstrend bremsen können.