ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann mehr Länge die Quoten retten?
Anna FuchsARD testet 30-minütige Tagesschau – kann mehr Länge die Quoten retten?
Die ARD testet eine längere Version ihrer Flaggschiff-Nachrichtensendung Tagesschau, um das Vertrauen der Zuschauer zurückzugewinnen und die Einschaltquoten zu steigern. Der Versuch startet am Montag um 20:15 Uhr mit einer 30-minütigen Ausgabe – doppelt so lang wie das übliche 15-Minuten-Format. Der Sender hofft, dass die verlängerte Sendezeit die Sendung alltagsrelevanter macht.
Die Zuschauerzahlen der traditionellen 15-minütigen Tagesschau sind in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gesunken. Im Jahr 2021 verfolgten die Sendung noch durchschnittlich 7,5 Millionen Menschen, doch bis 2025 war diese Zahl auf etwa 4,8 Millionen gefallen. Gleichzeitig erreichen kürzere digitale Formate wie die 3-minütigen Tagesschau-Updates mittlerweile über 10 Millionen monatliche Aufrufe – ein Zeichen für den Trend zu On-Demand-Inhalten.
Jörg Schönenborn, Programmdirektor des WDR, argumentiert, dass das längere Format helfen werde, globale Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen zu verknüpfen. Dies solle die Nachrichten für das Publikum ansprechender gestalten. Kritiker hingegen warnen, dass 15 Minuten bereits ausreichend seien und eine 30-minütige Sendung den Primetime-Plan der ARD durcheinanderbringen könnte.
Anna Mayr, Journalistin bei Die Zeit, zweifelt daran, ob allein die Länge das Problem löst. Sie schlägt vor, stattdessen die Qualität der Sendung zu verbessern. Auch andere Medienexperten bezweifeln, ob die Strategie der ARD, stärker auf Alltagsrelevanz zu setzen, die Zuschauer zurückgewinnen wird.
Der Testlauf ist vorerst befristet, und die ARD hat noch nicht entschieden, ob die verlängerte Tagesschau dauerhaft bleiben wird. Das Experiment zielt darauf ab, den Zuschauerverlust umzukehren und sich an veränderte Mediennutzungsgewohnheiten anzupassen. Sollte es erfolgreich sein, könnte das längere Format die künftige Nachrichtenvermittlung der ARD prägen. Die endgültige Entscheidung über eine dauerhafte Einführung hängt von der Resonanz des Publikums und den Auswirkungen auf die Programmplanung ab.






