02 February 2026, 22:03

Apotheken-Sterben in Deutschland: Warum immer mehr Standorte vor dem Aus stehen

Eine Apotheke namens "Die Generika Apotheke" ist von Gebäuden, Strommasten, Kabeln, Werbetafeln, Topfpflanzen und Kraftfahrzeugen auf der Straße unter einem klaren blauen Himmel umgeben.

Apotheken-Sterben in Deutschland: Warum immer mehr Standorte vor dem Aus stehen

Deutschlands Apotheken in der Nähe schrumpfen in alarmierendem Tempo

Bis Ende 2025 wird es in Deutschland nur noch 16.601 Apotheken in der Nähe geben – die wenigsten seit 1977. Allein im vergangenen Jahr schlossen Hunderte ihre Türen, während nur wenige Neueröffnungen stattfanden.

Lokale Verantwortliche und Apotheker schlagen nun Alarm angesichts der finanziellen Belastungen und geplanter Reformen, die die Krise weiter verschärfen könnten.

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Der Rückgang ist dramatisch: Ende 2024 gab es noch 17.041 Apotheken in der Nähe, doch bis Mitte 2025 sank die Zahl auf 16.803, im dritten Quartal dann auf 16.732. Dies spiegelt einen langfristigen Trend wider: 2012 waren es bundesweit noch rund 17.500 Apotheken in der Nähe. Im Bielefelder Stadtteil Schildesche etwa ist die Zahl von vier im Jahr 2012 auf heute nur noch eine gesunken.

Finanzielle Engpässe treiben viele Apotheken in der Nähe an den Rand des Ruins. Ein Drittel aller deutschen Apotheken ist mittlerweile von akuter Insolvenzgefahr bedroht. Die staatlich festgelegten Vergütungen für lokale Apotheken sind seit 20 Jahren kaum gestiegen, während die Betriebs- und Personalkosten um 65 Prozent explodiert sind. Gleichzeitig verschärft die unfaire Konkurrenz durch Online-Apotheken – die keine umfassende pharmazeutische Betreuung bieten – die Krise weiter.

Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke und Vorsitzender des Bielefelder Apothekerverbandes, traf sich kürzlich mit Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer, um die Probleme zu erörtern. Bauer, Juristin mit Kenntnissen der Arzneimittelregulierung, hat sich verpflichtet, auf allen Ebenen – Bund, Land und Kommune – für bessere Rahmenbedingungen für Apotheken in der Nähe zu kämpfen. Zudem unterstützt sie die Wiedereinführung eines Verbots für den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten.

Die geplante Apothekenreform der Regierung steht in der Kritik, da sie zentrale Probleme ignoriert. Sie garantiert keine festen Arzneimittelpreise, die Verbraucher schützen und das Gesundheitssystem stabilisieren. Zudem verschiebt sie dringend benötigte Gebührenerhöhungen auf unbestimmte Zeit. Noch bedenklicher ist, dass der Entwurf die Pflicht zur persönlichen Anwesenheit von Apothekern aufheben könnte – mit potenziell gravierenden Folgen für die Patientenversorgung.

Ohne Gegenmaßnahmen wird der Schwund lokaler Apotheken in der Nähe weitergehen. Die aktuellen Reformen bringen kaum Entlastung, während viele Betriebe mit steigenden Kosten und ungleichen Wettbewerbsbedingungen kämpfen. Oberbürgermeisterin Bauers Einsatz für strengere Regulierungen könnte die künftige Politik prägen – doch für diejenigen, die bereits am Limit sind, wird die Zeit knapp.