20 February 2026, 12:05

AfD in der Vetternwirtschafts-Krise: Warum Familienmitglieder plötzlich auf der Gehaltsliste stehen

Ein gelbliches, altes Stück Papier mit sauberer, lesbarer Schreibschrift, das angeblich ein Brief des deutschen Finanzministers an seine Frau ist.

AfD: Klaus Esser sollte keine Senioren mehr beschäftigen, die nicht arbeiten - AfD in der Vetternwirtschafts-Krise: Warum Familienmitglieder plötzlich auf der Gehaltsliste stehen

Eine 80-jährige Frau, Rosemarie Z., arbeitet im Büro des AfD-Landtagsabgeordneten Klaus Esser. Die ungewöhnliche Anstellung wirft Fragen nach ihrer tatsächlichen Rolle auf und ob die Stelle gerechtfertigt ist. Unterdessen sind in den vergangenen Wochen mindestens vier weitere Fälle bekannt geworden, in denen AfD-Politiker in ganz Deutschland Familienmitglieder beschäftigt haben.

Rosemarie Z. ist nicht die einzige Angehörige, die von AfD-Funktionären angestellt wurde. In Niedersachsen arbeitet die Ehefrau von Ansgar Schledde in seinem Bundestagsbüro. Der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla beschäftigt seit 2017 die Ehefrau eines sächsischen Landtagsabgeordneten. Der AfD-Politiker Thomas Korell stellte in Sachsen-Anhalt den Vater von Ulrich Siegmund ein. Die Parteimitglied Mary Khan-Hohloch beschäftigt den Partner des Vorsitzenden der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative.

Klaus Esser, der derzeit mit internen Parteisanktionen konfrontiert ist, weist Vorwürfe der Vetternwirtschaft zurück. Er behauptet, seine Einstellungspraxis fördere die Arbeitsmarktteilhabe älterer Menschen. Kritiker hingegen zweifeln daran, ob Rosemarie Z. ihre Aufgaben tatsächlich erfüllen kann – ihr Ehemann, Werner Z., verlässt Parteiveranstaltungen häufig früh, um sich um sie zu kümmern. Werner Z. soll zudem Teil eines internen Netzwerks um Esser sein, was Bedenken aufkommen lässt, die Anstellung könnte der politischen Loyalitätssicherung dienen.

Das Ehepaar Z. lehnte auf Anfrage des Spiegel jede Stellungnahme ab. Esser selbst darf aufgrund mutmaßlicher Verstöße gegen Parteiregeln kein Amt innerhalb der AfD mehr bekleiden und ist in gerichtliche Verfahren wegen des Verdachts gefälschter Referenzen verwickelt.

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Die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel hat die Risiken anerkannt, die mit der Beschäftigung von Angehörigen in politischen Spitzenpositionen einhergehen. Sie fordert gesetzliche Reformen, um die Regeln für die Anstellung von Familienmitgliedern in Ministerien und Behörden zu verschärfen.

Die Fälle zeigen ein Muster: AfD-Abgeordnete stellen wiederholt Angehörige in offiziellen Funktionen ein. Angesichts laufender Ermittlungen und interner Streitigkeiten gerät die Partei zunehmend unter Druck, mögliche Interessenkonflikte aufzuarbeiten. Weidels Vorstoß für strengere Vorschriften deutet darauf hin, dass das Thema zu einer breiteren politischen und juristischen Prüfung führen könnte.